Maschinenhalle der Zeche Zollern

In ihrer Geschichte hat die Maschinenhalle der Zeche Zollern in Dortmund Maßstäbe gesetzt: als herausragendes Beispiel moderner Industriearchitektur, als Haus für innovative Technik, später als Pionierbau der Industriedenkmalpflege in Deutschland. Jetzt kommt die Maschinenhalle mit dem bekannten Jugendstil-Portal wieder groß heraus: Nach mehrjähriger Sanierung öffnete der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) das wichtigste Gebäude seines Industriemuseums Anfang September 2016 wieder für die Öffentlichkeit. "Diese Halle ist ein Ort der Industriekultur, wie es ihn kein zweites Mal in Europa gibt. Wir sind sehr glücklich, dass wir dieses Jugendstil-Juwel der Öffentlichkeit jetzt in neuem Glanz präsentieren können", erklärte LWL-Direktor Matthias Löb.

1902/03 hatte die Gelsenkirchener Bergwerks AG die Halle als technisches Herzstück ihrer neuen Schachtanlage errichteten lassen. Die Architektur erinnert mit dem Querhaus, der altarähnlichen Schaltwand aus Marmor und der farbigen Verglasung nicht von ungefähr an einen Sakralbau. Denn genau so war die Halle für das erste Bergwerk konzipiert, dessen ge-samter Maschinenpark elektrisch angetrieben wurde. "Zollern war eine Kathedrale der Elekt-rizität, und das wollte man mit dieser Schönheit aus Stahl und Glas auch zur Schau stellen", so Löb.

Gut 100 Jahre nach der Inbetriebnahme zeigte sich das Schmuckstück schwer lädiert: Vor allem die einfachen Stahlglaskonstruktionen der Fenster sowie die Querriegel und Knotenpunkte des Stahlfachwerks wiesen starke Schäden auf. Auch Ziegelsteine und Fugen waren an vielen Stellen marode. Daher beschloss der LWL eine umfangreiche Sanierung. 90 Prozent der 7,6 Millionen teuren Maßnahme zahlte das Land. Für Staatssekretär Michael von der Mühlen aus dem NRW-Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr ist "dieses Geld gut investiert. Die Vielfalt und die Reichhaltigkeit der Industriekultur ist heute ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal für Nordrhein-Westfalen, das viele Menschen begeistert und weit über die Landesgrenzen hinaus strahlt. Die Rettung der Maschinenhalle gab damals den entscheidenden Impuls für diese Entwicklung." 

Sanierung 

2007 starteten in Dortmund die Vorarbeiten mit einer aufwändigen Bauuntersuchung und Schadensanalyse. "Wir mussten zunächst einmal herausfinden, wo genau welche Schäden vorlagen, um möglichst viel der Substanz zu retten und dabei den Sanierungsaufwand möglichst klein zu halten. Und dabei haben wir auch viel über das Gebäude und seine ständigen Veränderungen gelernt", erklärt Museumsdirektor Dirk Zache. Farben wurden untersucht, historische Fotos analysiert, Glasfunde ausgewertet. Die aufwändige Restaurierung der Schalttafel und vieler anderer Details führten die Restauratoren des Museums durch.

Von vornherein ging es den Fachleuten nicht um die Rekonstruktion des ursprünglichen Zustands, sondern um den Erhalt des Gebäudes mit seinen vielfältigen Nutzungsspuren. Im wissenschaftlichen Beirat, der den Prozess der Sanierung über Jahre begleitet hat, wurde ein Weg entwickelt, den Zache als "abstrahierende Neufassung" bezeichnet: Was im Original nicht mehr vorhanden war, erkennt der Besucher heute als "Annäherung". 

Die Fenster

Am Augenfälligsten wird dies bei den ursprünglich farbig geränderten Fenstern, die in den 1950er Jahren mit Klarglas erneuert worden waren. "Zwar haben wir farbige Scherben der ursprünglichen Verglasung gefunden, da aber die erhaltenen Fensterrahmen der 1950er Jahre eine andere Sprossenaufteilung aufweisen, mussten wir uns auch hier etwas erkennbar Neues einfallen lassen", so Zache. 

So weisen heute lediglich einige Bahnen aus satiniertem Glas auf die ehemals aufwändigere Gestaltung hin. Anders beim Westfenster: Da hier die Befunde eindeutiger waren und die Sprosseneinteilung unverändert geblieben war, wurde neben dem blau eingefärbten Klarglas auch der ursprünglich gelbe Glasstreifen wieder eingesetzt. 

Vollständig erhalten blieb indes die Jugendstil-Verglasung im Windfang des Portals. Sie wurde behutsam restauriert. "Das ist ein absoluter Glücksfall, denn ein solches Portal gibt es kein zweites Mal in einem Industriebau in Europa", betont LWL-Direktor Löb.

Vom Abriss bedroht

Dabei hat nicht viel gefehlt, und die Halle wäre den Abrissbaggern zum Opfer gefallen: Drei Jahre nach der endgültigen Stilllegung der Zeche Zollern (1966) hatte die Gelsenberg AG das Gebäude samt Inventar schon zum Abbruch ausgeschrieben. Erwarteter Schrottwert: 215 000 DM. Ihre Rettung gelang 1969 dank des hartnäckigen Engagements einer kleinen Zahl von Personen, die von der exemplarischen Qualität der Anlage begeistert waren. Diese Aktion wirkte als Initialzündung für die Industriedenkmalpflege und führte 1979 bzw. 1984 zur Gründung der Industriemuseen in Westfalen und im Rheinland - und in der Folge auch zu dem, was heute ganz selbstverständlich als "Industriekultur" gilt.

Nach Abschluss der Sanierung will das LWL-Industriemuseum die Maschinenhalle insbesondere für Veranstaltungen und Ausstellungen nutzen. Die entsprechende Infrastruktur, darunter Sanitäranlagen und ein Aufzug, wurden denkmalverträglich integriert. Das über hundert Jahre alte Kellergeschoss lädt schon heute zu eigenen Entdeckungen ein. Auch die elektrische Fördermaschine von 1902 geht wieder in Betrieb. "Da können wir auf das Engagement unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter bauen", freut sich Zache.


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