Brücken und Berge -
Radtour durch Duisburg

Vorbei an Walzwerken, Hochöfen und Kokereien

Auf dieser Radtour lernen wir die Brücken und Berge Duisburgs kennen. Vom Innenhafen aus geht es über den Hafenstadteil Ruhrort Richtung Thyssenkrupp. An Walzwerken, Hochöfen und Kokereien vorbei radeln wir entlang des Rheins hinauf auf den Alsumer Berg. Um den Hochofen Schwelgern herum führt der Weg via Walsum auf die Fähre Glückauf nach Orsoy. In Baerl nehmen wir den Anstieg auf die Rheinpreußenhalde in Angriff. Homberg und die Rheinhauser Rockelsberghalde sind weitere Staionen auf dem Weg zurück durch den Rheinpark in den Innenhafen.

Duisburgs felxible Brücken

Duisburg ist rekordverdächig: Stolze 650 Brücken zählt die Stadt. Mehr als Sankt Petersburg oder Venedig. Zu überqueren gibt es in der Stadt Montan auch eine Menge: Zwei bedeutende Flüsse, Kanäle, Hafenbecken, Bahngleise, Grachten, Leitungen, Straßen und Autobahnen. Dabei können die Brücken in Duisburg erstaunliche Dinge tun: buckeln, sich heben und auklappen. Einige dieser Wunderwerke der Technik sind auf einer rund 50 Kilometer langen Radtour zu sehen, die meist am Rhein entlang führt.

Los geht es

Start und Ziel ist der Innenhafen, der sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten von einem heruntergekommenen Hafenbecken mit sillgelegten Mühlenwerken zu einem angesagten Büro-, Wohn- und Gastronomiestandort entwickelt hat. Wir biegen vor dem Querungsbauwerk, welches das ehemalige Hafenbecken teilt, hinter dem Seniorenzentrum links in den sehenswerten Altstadtpark von Dani Karavan ein.

Das gibts nur einmal

Zwischen bizarren Hallenresten, einsamen Treppenhaustürmen und markanten Bodenwellen erhebt sich die sogenannte Buckelbrücke. Das 79 Meter lange und 3,5 Meter breite Bauwerk des Stutgarter Professors Jörg Schlaich ist die einzige buckelfähige Stahlbrücke der Welt. Mit 14 beweglichen Betonelementen spannt sich der 150 Tonnen schwere Steg über eine Marina. Gehalten wird die Konstrukion durch Stahlseile, die an vier 20 Meter hohen Pylonen befesigt sind. Am Ende befinden sich Zugvorrichtungen, so dass die Pylone landeinwärts gezogen werden können. Die Brücke hebt sich dann um bis zu acht Meter an.

Wann die Brücke allerdings zuletzt den Buckel gemacht hat, daran kann sich kaum jemand erinnern. Die Zugvorrichtung ist seit langem defekt. Was keine negativen Auswirkungen hat, solange kein Traumschiff im Holzhafen vor Anker gehen will. Dessen millionenteure Freitreppe säumt schon seit Jahren ungenutzt das Ufer, weil sich noch kein Investor für das dahinterliegende Grundstück gefunden hat. An eine zwischenzeitliche Öffnung der Treppenanlage ist nicht zu denken: aus finanziellen Gründen.

Zwischen dem Bürogebäude „Five Boats“ von Nicholas Grimshaw und der Zentrale des Kraftwerkbauers Hitachi geht es unter dem Bahndamm durch. Wir queren das Gewerbegebiet auf der Max-Peters-Straße und radeln auf dem Ruhrdeich weiter nach links.

Sanierungsbedürftiges Ensemble

Auf dem mächtigen Wehr können Fußgänger und Radler die Ruhr passieren und auf der Schleuse den Schiffen beim Auf- und Abstieg zuschauen. Danach führt die Strecke links auf dem Pontwert Richtung Karl-Lehr-Brücken. Das 100 Jahre alte und stark sanierungsbedürtige Ensemble überwindet die Ruhr, den Hafenkanal, den zugeschüteten Kaiserhafen und den Vinckekanal. Die Brücken werden derzeit Schritt für Schritt erneuert.

Tatort Duisburg

Vor dem sogenannten Tausendfensterhaus überqueren wir die Straße und biegen links in die Krausstraße. Am Vinckekanal vorbei fahren wir Richtung Ruhrort. Immer noch liegt das Bühnenschiff der katalanischen Theatertruppe „La Fura dels Baus“, die Naumon, am Ufer. Ein Relikt des Kulturhauptstadtjahres. An der Schifferbörse und dem Museumsraddampfer Oscar Huber radeln wir hinunter auf den Leinpfad. Hinter der Kneipe „Zum Hübi“ führt rechts die sogenannte Schimmi-Gasse hoch. Der erste Tatort mit dem legendären Kommissar Horst Schimanski hieß Duisburg-Ruhrort und spielte im Schiffermilieu. Deshalb soll der Durchgang bald auch ganz offiziell diesen Namen tragen.

Von Horst Schimanski zu Friedrich Ebert ist es nicht weit. Der Weg führt links an den alten Ruhrorter Zolltürmen, Relikte der 1907 eingeweihten und 1945 gesprengten Admiral-Scheer-Brücke, vorbei unter die von 1951 bis 1954 errichtete Friedrich-Ebert-Brücke. Wir halten uns geradeaus Richtung Mühlenweide, auf der ein Schifermast und eine Nikolaus-Statue (Schutzpatron der Schiffer) stehen. Rechts hoch führt eine Rampe zur Brücke über den Eisenbahnhafen, die wegen Baufälligkeit für den KFZ-Verkehr gesperrt ist. Dahinter liegt rechts das wirklich sehenswerte Museum der Deutschen Binnenschifffahrt im alten Ruhrorter Hallenbad, daneben das ebenso verlockende Restaurant „Schiffchen“.

Ohne den lästigen Autoverkehr radeln wir hinauf auf den Deich. Auf der rechten Seite grüßt winkend der Laarer Junge, eine Skulptur auf dem Dach des Hauses Deichstraße 50. Bald sind hinter Beeckerwerth schon zwei weitere Brücken zu erkennen. Die hübsche Haus-Knipp-Eisenbahnbrücke aus dem Jahre 1912 und Duisburgs jüngste Rheinquerung, die Brücke der A 42, die erst 1990 fertiggestellt worden ist und für Radfahrer eine Abkürzung hinüber in den linksrheinischen Stadtteil Baerl bietet.

Europas größter Stahlstandort

Wir radeln unter den Brücken hindurch. Die Anlagen von ThyssenKrupp erinnern uns daran, dass Duisburg trotz vieler Krisen immer noch Europas größter Stahlstandort ist. Wie gewaltig die IndustrieAnlagen sind, das können wir am besten vom 70 Meter hohen Alsumer Berg ermessen, der auf den Trümmern eines ehemaligen Fischerdörfchens errichtet worden ist. Hinter der Halde führt unser Weg rechts hoch auf die Alsumer Straße, die die gigantischen Schwelgern-Hochöfen umrundet. Wir biegen links auf den Willy-Brandt-Ring. Rechts unten liegt der hübsche Volkspark Schwelgern, links oben die rostrote Industriekulisse.

An der B 8 biegen wir links nach Walsum ab, um dann wieder links dem Radweg der Walsumer Straße zu folgen. Die führt uns bis zu Getränke Hövelmann, einem führenden Mineralwasser- und Limonaden-Abfüller in Nordrhein-Wesfalen. Das Wasser bezieht die Firma aus den Tiefen der Walsumer Rheinaue. Davor lädt ein Brauhaus zu einer Pause ein.

Links führt die Tour in die Dr. Wilhelm-Roelen-Straße, vorbei am ehemaligen Schacht Walsum. Die letzte Zeche auf Duisburger Stadtgebiet hat im Juni 2008 dicht gemacht und muss heute Stück für Stück einem neuen Kraftwerk weichen. Wie das berühmte gallische Dorf leisten in direkter Nachbarschaft das ausgezeichnete und urgemütliche Fischrestaurant „Walsumer Hof“ und sein Inhaber Matthias Langhoff noch trotzig den Kühltürmen gastronomischen Widerstand.

Wo die Uhren langsamer ticken

Vor uns liegt das idyllische Naturschutzgebiet Rheinaue, links tuckert schon die Rheinfähre Glückauf heran, die letzte Bootsverbindung über den Fluss bis zur holländischen Grenze, die ganzjährig betrieben wird.

Auf der anderen Seite im Rheinberger Ortsteil Orsoy (sprich: Oschau oder Orsau) scheint die Zeit ein wenig stehen geblieben zu sein. Hinter dem Hochwasserschutztor sind die Evangelische Kirche aus dem Jahre 1450 und das Stadthaus einen Besuch wert. Auch ein kurzer Rundgang über die Festungsanlagen lohnt sich.

Wir folgen dem Radweg über die Binsheimer Straße aus dem Ort heraus, biegen nach rechts in die Felder ab, um bald darauf wieder links auf die Straße zurückzukommen und weiter geradeaus durch Binsheim zu radeln, das schon wieder zum Duisburger Stadtgebiet gehört. Es geht hinauf auf den Rheindeich Richtung Baerl. Links der Strom, davor typisch niederrheinische Wege, die von Weidenbäumen gesäumt sind.

In Höhe der bereits 1262 erwähnten Dorfkirche erreichen wir den Stadteil, der heute rund 5000 Einwohner zählt und dessen Name sich von Barlo ableitet (Bar – Eber, Loh – Wald). Wir folgen der Hauptstraße und biegen hinter der Apotheke rechts in die Augustastraße ein. Dann links in die Kreuzstraße, wieder rechts in die Waldstraße, um dann „Am Nellenberg“ zu erreichen. Rechts hinter der Gaststäte „Alt-Niederrhein“ fahren wir rechts in die Jakob-Schroer-Straße, passieren Zubringer und Autobahn und befinden uns plötzlich in Moers.

Lohnenswerter Rundblick von der Halde Rheinpreußen

Am Friedhof Lohmannsheide vorbei führt die Tour dann rechts auf die Gutenbergstraße. Durch ein kleines Gewerbegebiet hindurch radeln wir bis kurz vor der Römerstraße. Hier nehmen wir die Steigung auf die Halde Rheinpreußen in Angriff. Oben werden wir für die Mühen mit einem fantastischen Rundblick belohnt, der an klaren Tagen weit über Duisburg und Moers hinausreicht. Mit 103 Metern über Normalnull haben wir den Gipfel der Tour erreicht und damit sogar den Klever Berg getoppt.

42 Millionen Tonnen Bergematerial aus der linksrheinischen Schachtanlage Rheinpreußen wurden hier zu einer Halde aufgetürmt, die seit 2007 von einer giganischen Grubenlampe des Düsseldorfer Künstlers Otto Piene bestrahlt wird. Der Lichtturm ist 30 Meter hoch, hat einen Durchmesser von acht Metern und soll als leuchtende Landmarke dienen.

In schneller Fahrt geht es bergab, die Gutenbergstraße wieder zurück zur Kreuzung Jakob-Schroer-Straße, dann geradeaus in die Voßbuschstraße und in den Hegentweg. Wir halten uns geradeaus und überqueren die Bahngleise, fahren entlang der Autobahnabfahrt A 42 über die Rheindeichstraße hinweg Richtung Rhein. Nun hat er uns wieder, der Fluss. Und er lässt uns so bald auch nicht mehr los. Der Radweg Richtung Homberg führt am Strom entlang. Auf dem Schoterweg knirschen die Reifen im sonst so sillen Flussvorland. Über den Rheinpreußenhafen hinweg geht es zum Eisenbahnhebeturm. Von 1856 bis 1885 wurden hier die Zug-Waggons über den Rhein geschippert. In zwei Türmen befand sich eine hydraulische Hebeanlage. Allerdings steht nur noch das Gebäude auf der Homberger Seite, das baufällige Ruhrorter Pendant wurde 1971 abgerissen. Davor im ehemaligen Fährbassin liegt das Schulschiff Rhein vor Anker. Hier werden die künftigen Binnenschiffer ausgebildet.

Chemiestandort Duisburg

Wir radeln durch den kleinen Park hindurch auf die Königstraße und erreichen über eine Treppe vor dem Hochhaus den Leinpfad, auf dem in der Zeit vor der Dampfschifffahrt Pferde die Schiffe flussaufwärts gezogen haben. Wir treten weiter Richtung Süden in die Pedalen. Bei Sachtleben kommt die Industrie unserer Radtour wieder sehr nahe und erinnert daran, dass sich zunächst nicht die Kohle- oder Stahlindustrie, sondern die Chemie in Duisburg niederließ.

Doch davon ist bald nichts mehr zu spüren. Kurz vor der Essenberger Fährstation besimmen wieder hübsche Altbaufassaden das Straßenbild, hinter der A 40-Brücke am Hafen Diergardt-Mevissen landen wir geradewegs im Biergarten des Restaurants „Homme d’Or“. Hinter dem Haus geht es sofort wieder links auf dem Deich weiter in Richtung Rheinhausen.

Wir halten uns an der Kläranlage links. Hinter der Werthauser Wardt führt rechts die Rheingasse hoch auf die Rockelsberghalde. Die ehemalige Schlackendeponie der Rheinhauser Krupp-Hütte hat eine Höhe von 70 Metern. Ihr Plateau wurde erst 2012 fertiggestellt und ist frei von Bäumen und Sträuchern. Sie bietet einen Rundblick von Osten auf das Hafengelände, Hochfeld, Innenstadt und Innenhafen nach Süden auf die Rheinfront, Logport, nach Westen auf das Stadtgebiet von Rheinhausen und nach Norden auf den Rhein.

Unter der „Brücke der Solidarität“, die 1988 von den Krupp-Stahlarbeitern besetzt wurde, führt die Tour durch. Dahinter müssen wir die Osloer Straße passieren, die in Richtung Logport führt. Durch ein kleines Wäldchen erreichen wir bald die Eisenbahnbrücke. Dort setzen wir wieder über. Die erste Duisburger Rheinbrücke wurde hier Ende 1873 in Betrieb genommen. Auch sie diente als Eisenbahn- und Fußgängerweg und wurde 1927 durch das heute noch existierende Bauwerk ersetzt. Hinweis: Offiziell ist die Brücke kein Radweg, allerdings praktiziert es jeder. Deshalb: Bitte Rücksicht auf Fußgänger nehmen.

Erholung am Sandstrand

Direkt hinter dem Rhein biegen wir links ab und überqueren auf einer Rampe die Gleise der Güterzüge, die miten durch den Rheinpark auf dem Gelände der ehemaligen Niederrheinischen Hütte stampfen. Dessen interessante Topographie mit Einschnitten, Rampen und Aussichtsplattformen bietet dem Betrachter immer wieder neue Perspektiven auf den Fluss. Am Sandstrand über der Spundwand betreiben behinderte Menschen die empfehlenswerte Park-Gastronomie „Ziegenpeter“.

Die Route führt geradewegs am Rhein entlang. Über eine Rampe erreichen wir die Zufahrt zur Brücke der Solidarität. Wir überqueren die Werthstraße/Rudolf-Schock-Straße und radeln links in einen kleinen Park hinein, der im Sommer von Migranten aus vielen unterschiedlichen Kulturen rege genutzt wird.

Über den „Immendal“ erreichen wir den Radweg der Rheinischen Bahn, der irgendwann bis nach Essen führen soll, uns aber über Heerstraße und Musfeldstraße zur Kreuzung Kremerstraße/Düsseldorfer Straße bringt und geradewegs Richtung Hauptbahnhof führt. Wir biegen links durch die Düsseldorfer Straße auf die Königstraße, schwenken auf der Einkaufsmeile kurz links und radeln entlang der alten Stadtmauer über den Kuhlenwall und Springwall zurück zum Innenhafen, in dessen Restaurants und Museen wir unsere „Tour de Duisburg“ ausklingen lassen.

INFO

Länge: ca. 50 km, ca. 4-5 Stunden reine Fahrzeit / Nicht ganz so leichte Tour, die wegen der Anstiege und der teilweise schlechten Wegbeschaffenheit für Kinderanhänger nicht empfohlen werden kann.

Die Tour stammt aus dem großen Fahrradführer Niederrhein von Markus Peters und ist 2014 im Klartext Verlag erschienen. 

Den großen Fahrradführer Niederrhein kannst Du hier kaufen. 

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