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Die verfluchte Burg am Wanderweg – Burgruine Hardenstein

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Goldemar konnte ein echter Giftzwerg sein. Kein Benehmen am Tisch. Durst für zwei. Vorlautes Mundwerk. So einen hat jeder Gastgeber gerne im Haus. Ritter Neveling von Hardenberg, Herr der Burg Hardenstein in Witten an der Ruhr, war indes über die Anwesenheit seines Untermieters alles andere als unglücklich. Erstens konnte man mit Zwergenkönig Goldemar des Abends ganz vorzüglich den ein oder anderen Becher Wein leeren, zweitens erwies sich der Kleine als eine Art Schutzpatron, der stets für volle Speisekammern sorgte und seinen Herrn rechtzeitig vor Feinden warnte, die sich in böser Absicht der Burg näherten. Und außerdem war Goldemar unsichtbar. Was sich etwa bei Feierlichkeiten auf Burg Hardenstein als echter Partykracher entpuppte. Ein unsichtbarer Zwerg, der aus dem Off die Gäste verschaukelt  -  da kann kein Bauchredner mithalten.

Doch die Geschichte geht schlecht aus. Ein allzu neugieriger Küchenjunge will Goldemar auffliegen lassen und lockt ihn in eine Falle, um ihm seine Tarnkappe zu entreißen. Das Manöver gelingt, der Kurze aber versteht  - was seine Unsichtbarkeit angeht - überhaupt keinen Spaß.  Er verschlingt den Küchenjungen und verflucht die ganze Burg, was den Wert der Immobilie erheblich schmälert. Das Geschlecht der Hardenbergs stirbt aus, die Burg verfällt  zur Ruine.

So will es die Sage. 600 Jahre später sind die malerischen Ruinen der Burg Hardenstein im Ruhrtal bei Witten-Herbede ein beliebtes Ausflugsziel. Heute sind  von der Anlage, die zwischen 1347 und 1354 errichtet und im 15. Jahrhundert erweitert wurde, noch Teile des Mauerwerks und der einstigen Toranlagen sowie zwei Türme zu besichtigen. Schon ab dem 16. Jahrhundert wurde die Burg nur noch selten bewohnt, ab dem 18. Jahrhundert verfiel sie zusehends. 

Um den Erhalt der Ruine kümmert sich heute der Verein der „Burgfreunde Hardenstein". Der betreibt in der Grundschule Herbede ein kleines Museum, das nach Voranmeldung besichtigt werden kann. Die Burg ist zu Fuß oder mit dem Museumszug des Eisenbahnmuseums Bochum-Dahlhausen zu erreichen, der direkt an der Burg hält. Fahrradfahrer (und natürlich Fußgänger) können zudem zwischen April und Oktober mit der kleinen Ruhrtal-Fähre übersetzen. Sie verkehrt kostenlos zwischen der Burgruine und der Schleuse in Herbede und schließt eine Lücke im Wegenetz des Ruhrtal-Radweges.

Ganz in der Nähe verläuft der neun Kilometer lange Bergbauwanderweg durch das idyllische Muttental, einer der schönsten Wanderwege im Ruhrgebiet. Das Tal gilt als eine Wiege des Kohlebergbaus im Ruhrgebiet, der Weg erschließt zahlreiche Zeugnisse und Überreste dieser Industriegeschichte, darunter Zeche Nachtigall mit ihrem Besucherstollen.

Informationen:

Burgfreunde Hardenstein e.V.
Wilhelmstraße 4
58456 Witten
Tel.: 02302 / 97 88 623
www.burgfreunde-hardenstein.de