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Leckerchen aus Crange - Alte Drogerie Meinken

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„Tu doch ma die Omma noch’n Schnäpsken“: In der „Alten Drogerie Meinken“ am Kirmesplatz ist ein edler Tropfen ein Muss.

„Mond von Wanne-Eickel“, „Cranger Leckerchen“, „Herner Heldentrunk“. Kenner wissen diese Namen zu schätzen. Genauso wie den „Wanne-Eickeler Kirmestropfen“. All das gibt es hochprozentig in Flaschen und zwar in unmittelbarer Nähe zum Cranger Kirmesplatz. Dort verkauft die „Alte Drogerie Meinken“, die noch in der Originalausstattung von 1948 existiert, spezielle Kräuterliköre mit vielsagenden Namen wie  „Steinalter Haldengeist“ und „Wanne-Eickeler Flächenbrand“. Tröpfchen für Genießer. In Flaschen gefülltes Ruhrgebiet.

Rückblick: Es war anno 1938, als Ludwig Meinken seine Drogisten-Prüfung bestand und am Wanner Markt in Höhe der Laurentiuskirche eine Drogerie eröffnete, die seinen Namen trug. Das Unternehmertum währte zunächst nicht lange: Im Verlauf des folgenden Krieges wurde Meinken als Sanitäter an der Ostfront eingesetzt; 1942 kam er mit seiner Einheit nach Minsk. Um den vielen verwundeten Soldaten im Lazarett etwas Gutes zu tun, brannte er einen Kräuterschnaps, der bei den Soldaten und - nebenbei bemerkt - auch beim Sanitätspersonal schnell zu großer Beliebtheit gelangte. 

Kleine Tröpfchen Hoffnung

Im Jahr 1944 wurden die Kämpfe härter, die Lazarette waren überfüllt, die Front rückte näher. Die Menschen brauchten jedes noch so kleine Tröpfchen Hoffnung. Die Sanitäter vereinbarten, dass man sich nach dem Krieg in der Drogerie von Ludwig Meinken treffen würde, um dann zusammen einen Rundgang über die Cranger Kirmes zu machen.

Meinken bereitete sich unmittelbar nach Kriegsende gut darauf vor: Er baute nicht nur seine von Bombentreffern und Plünderern zerstörte Drogerie neu auf, sondern eröffnete 1946 gemeinsam mit seiner Frau Annemarie auch noch eine Zweigstelle in Crange. Die Drogerie wurde in der Nachbarschaft schnell beliebt. Meinken verkaufte Arzneimittel und gute Tröpfchen, und manchmal waren die Übergänge zwischen beiden fließend. 

Das Minsker Versprechen wurde drei Jahre später eingelöst: 1949 trafen sich zunächst drei der ehemaligen Sanitäter in der Drogerie auf Crange; bis zum Jahr 1953 waren es neun und damit alle Überlebenden. Seit dieser Zeit befindet sich im Firmenwappen der Drogerie Meinken die Zahl neun. Auch die Schausteller der gegenüber liegenden Cranger Kirmes wurden regelmäßige Kunden und sorgten wohl nicht unwesentlich dafür, den Tropfen, den Meinken schon in Minsk gebrannt hatte, durch Mund-zu-Mund-Propaganda berühmt zu machen. Schnell war ein Name gefunden: „Wanne-Eickeler Kirmestropfen“.

Geheimes Rezept

Der über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Kräuterlikör wird heute bei der Brennerei Eicker & Callen in Wanne-Süd hergestellt, einem Traditionsunternehmen, das ebenfalls bereits auf eine 120-jährige Geschichte zurückblickt. Das Rezept des „Kirmestropfens“ ist geheim und wird es auf absehbare Zeit auch bleiben: Gerade mal drei Personen kennen es, und alle unterliegen einer rechtlichen Schweigepflicht.

Ludwig Meinken starb 1982; seine Frau Annemarie führte das Geschäft weiter. 2007 übergab sie die Drogerie an ihren Enkel Peter Meinken, der es sich unter anderem zum Ziel gesetzt hat, aus den Sortimenten des Einzelhandels längst verschwundene Produkte neu aufzulegen. Der Kooperation mit Eicker & Callen entspringt unter anderem eine Flasche, die in gefährlicher Schieflage ihr Dasein in den Regalen der Alten Drogerie fristet. „Canis Curvus“ (lat.: krummer Hund) steht auf dem Etikett – wahrscheinlich war Ludwig Meinken einst der Meinung, ein Sanddorn-Grapefruit-Likör verdiene unbedingt einen wissenschaftlich anmutenden Namen. Das Rezept entwickelte er 1967/68 und produzierte den Likör bis zum Ende der 70er-Jahre. Peter Meinken lässt ihn seit 2007 wieder in Wanne-Süd produzieren.

Industriell und in großen Mengen hergestellte Waren sucht man in der Drogerie allerdings vergeblich. Stattdessen führt sie fast vergessene flüssige Spezialitäten aus der Gründerzeit der Bundesrepublik wie „Ratzeputz“ und „Escorial“. Oder wie wäre es mit dem „Gelsenkirchener Kohlenjungen“, einer Herrenspirituose – was auch immer das zu bedeuten hat - mit einem echten Stück Steinkohle als Anhänger. Besonders zu empfehlen ist übrigens das „Cranger Leckerchen“, ein recht intensiver aber sehr schmackhafter Karamelllikör mit einer leichten Haselnussnote. Die Flasche mit der Aufschrift „Dat trinkt auch die Oma gerne“ gibt es für dreifuffzig auch in einer Probiergröße zu kaufen, was besonders praktisch ist für all diejenigen, die in eine ausführlichere Recherche des Sortiments einsteigen möchten.

Geschenke-Notdienst

Eine Likörprobe vor Ort oder auch ein Spirituosenseminar (mit anschließender Diplomverleihung über die erfolgreiche Teilnahme) können dabei behilflich sein und haben vor der Kulisse der alten Regale ihren ganz eigenen Charme. Die Einrichtung ist von anno tobak – und Selbstbedienungsverächter sagen dies voller Bewunderung auch über den Service. Denn bei Meinken wird nicht nur kompetent beraten, sondern auch geplaudert, probiert und gescherzt. Und dann wieder geplaudert. Und probiert. Versuchen Sie das mal an der Wursttheke im Supermarkt. Nichtsdestotrotz ist man vertriebstechnisch auf dem neuestem Stand: Die Ware wird auch über einen Online-Shop verkauft. Zudem hat in Gelsenkirchen eine weitere Filiale eröffnet. Neu, aber mit dem Charme von einst - und den Traditionsprodukten des Hauses.

Info

Alte Drogerie Meinken
Hauptstraße 408
44653 Wanne-Eickel (Herne)
Tel. 02325 / 73 666

Öffnungszeiten:
Di-Fr 10.30-18.30 Uhr
Sa 10-13.30 Uhr

Filiale Gelsenkirchen
Osterfeldstraße 31
45886 Gelsenkirchen

Öffnungszeiten:
im Sommer: Mo/Die geschlossen
Mi-Fr 10-13 Uhr & 15-18.30 Uhr
Sa 10-14 Uhr

service@altedrogeriemeinken.de
www.altedrogeriemeinken.de