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Tradition trifft Feinkost

Mit Spargel und Erdbeeren, frischem Fisch und exklusivem Käse und Schinken aus Südtirol bietet der Wochenmarkt in Herne-Mitte nicht nur die saisonalen Klassiker, sondern auch einige Feinkostspezialitäten. 

Etwa 50 Händler bauen auf dem Friedrich-Ebert-Platz vor dem Rathaus zweimal in der Woche ihre Stände auf, und obwohl viele sagen, dass sie um ihre Kunden kämpfen müssen, wirkt der Markt bunt und lebendig.

Wer Glück hat, findet einen Parkplatz direkt auf dem Friedrich-Ebert-Platz oder in den umliegenden Straßen. Doch die meisten Besucher kommen ohnehin zu Fuß, schlendern mit ihren Einkaufstaschen am Handgelenk durch die Gassen zwischen den Marktständen und grüßen rechts die Nachbarin, links den netten Gemüsehändler oder bleiben auch mal stehen, um miteinander zu plaudern. Nicht nur ältere Bürger sind an den Markttagen auf dem langgezogenen Friedrich-Ebert-Platz unterwegs, sondern auch junge Mütter mit Kinderwagen, Anzugträger oder, wie heute, ein junger Mann, der einen riesigen Blumenstrauß gekauft hat. Man trifft sich am Stand von Ralf Overhues aus Haltern, um die dort angepriesenen „dicken Eier mit goldenen Dottern“ zu begutachten, zehn Stück kosten zwei Euro, und sie stammen von Hühnern aus dem eigenen Stall, so verspricht es ein handgeschriebenes Plakat.

Gleich gegenüber gibt es eine beeindruckende Auswahl an Putzlappen in allen Farben des Regenbogens, noch ein paar Meter weiter rotweiß karierte Tischdecken, bestickte Spitzendeckchen und allerlei Stoffe in Gelb und anderen frischen Frühlingsfarben. Am benachbarten Textilstand überwiegen pink leuchtende Kinder-T-Shirts, die an Bügeln die Wände des Verkaufswagens zieren oder von der Markise baumeln.

Auf der anderen Seite der kleinen Gasse hat Stefan Lehnert seinen Spezialitätenstand. Auf Schildern preist er Freilandeier aus dem Münsterland an – eine Reminiszenz an alte Zeiten, erklärt er, weil sein Vater früher mal auf dem Markt Eier verkauft hat. Lehnert erzählt, er selbst habe vor acht Jahren „mit einem ganz kleinen Spezialitätenmarkt angefangen“: Schweizer Kreuzkäse aus Rohmilch, Ziegenmilchkäse oder drei Monate gereifter Bergkäse – vieles stammt aus kleinen Käsereien, die der gebürtige Herner sorgfältig ausgesucht hat. In Südtirol kennt er außerdem drei Metzger, die ihm etwa Parmaschinken und Wildschweinsalami liefern. „Ich versuche immer, Sachen anzubieten, die man nicht im Supermarkt bekommt“, sagt Lehnert. Sein kleines, aber feines Warensortiment wechselt immer wieder, und seine Kunden lassen sich gerne auf seine neuesten Empfehlungen ein. „Das ist natürlich Vertrauenssache“, weiß der Händler. „Aber die Leute sind eigentlich nie enttäuscht – sonst würden sie ja nicht wiederkommen.“ Neben Salami Abruzzo und Büffelmozzarella, griechischem Feta und Kräuterspeck hat Lehnert natürlich auch den einen oder anderen holländischen Gouda in der Auslage – die, wie der Händler lächelnd zugibt, „gerne noch ein paar Meter länger sein könnte“.

Über zu wenig Platz für seine Waren kann sich Obst- und Gemüsehändler Ralf Preker nicht beklagen – er bietet die typische Auswahl an Saisonwaren an, die Körbe sind voll mit Radieschen und Paprika, Kartoffeln mit dem klangvollen Namen Anabell sowie Äpfeln, Birnen und Trauben. Zurzeit seien vor allem Erdbeeren gefragt, die der Händler aus Düsseldorf und in einigen Wochen auch direkt aus der Region bezieht. Außerdem ist natürlich Spargelzeit, und Preker erinnert die Marktbesucher gern mit lauter Stimme daran, dass das Kilo bei ihm „nur fünf Euro“ kostet. Richtig dicke Stangen packt er für seine Kunden zuerst auf die Waage und dann in eine Plastiktüte – nur eine Schälmaschine, die hat er nicht, auch wenn immer wieder mal jemand danach fragt. „Kann man doch selber schälen, das ist doch schnell gemacht“, sagt er achselzuckend. Preker gehört zu den Händlern, die gern auf dem Wochenmarkt stehen – „auch in schlechteren Zeiten, schließlich leben wir davon“, sagt er. Wir, das sind er und seine Schwester sowie sein Schwager Frank Mintel.

Vor rund 50 Jahren, als noch die Eltern den Stand betrieben, sei vieles ganz anders gewesen, erzählt er. „Es gab noch nicht so viele Supermarktketten – heute tun die uns Markthändlern richtig weh.“ Man sei einfach extrem vom Wetter abhängig: „Früher konnte man sagen, es gibt acht gute und vier schlechte Monate im Jahr. Heute sind wir froh, wenn es noch drei gute gibt: Mai, Juni, Juli.“ Wobei  der ungewöhnlich kalte Mai in diesem Jahr noch einen zusätzlichen Einbruch bedeutet habe. „Aber wir müssen durchhalten und wollen es ja auch“, versichert Preker. Schließlich habe die Arbeit auf dem Markt auch positive Seiten: „Wir sind viel mit Menschen zusammen und an der frischen Luft, wir leben gesund und sind selten krank. Und wir gehen früh schlafen – damit wir viermal die Woche nachts um 3 Uhr aufstehen können, um zum Großmarkt zu fahren.“

Den Herner Wochenmarkt findet Preker „eher ruhiger“ im Vergleich zu anderen Reviermärkten, auf denen er verkauft. „Dass ich jetzt hier stehe und rede, das dürfte eigentlich gar nicht möglich sein“, findet er. Doch dann muss er aufhören, weil eine Kundin ein Kilo Spargel bestellt. Und eine Schale Erdbeeren.

Uwe Odermann ist Sprecher der Markthändler, und er würde auch gern etwas erzählen über den Herner Markt – doch er hat an seinem Fischstand  alle Hände voll zu tun an diesem kühlen, aber immerhin sonnigen Freitag. Dutzende Kunden, zumeist Senioren, stehen am Wagen Schlange, um bei Odermann oder einer seiner vier Mitarbeiterinnen Backfisch mit Kartoffelsalat zu ordern – und den essen viele dann gleich stehend an einem der Bistrotische neben dem Wagen. Für zu Hause lässt man sich Steinbeißer oder Kabeljaufilet einpacken, auch Viktoriabarsch oder Dorade royal wird gerne genommen. Dazu bietet Odermann Seegrassalat, Surimi in Lake oder Anchovis – die Auswahl ist riesig, und der Fisch immer frisch. Und wer sich eher zu einem Matjesbrötchen „auf die Hand“ hinreißen lässt, kann dann noch an den anderen Fischbuden und am Geflügelstand vorbeischlendern, eine Runde um den Backwagen drehen - und dort zu guter Letzt ein frisches Brot ergattern und ein Stück Streuselkuchen für zu Hause aussuchen.

 

INFO

Wochenmarkt Herne-Mitte
Friedrich-Ebert-Platz
dienstags und freitags jeweils von 7 bis 13 Uhr