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Trocken fällt hier niemand! – Kneipenschiff De Albertha

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Das nächste Meer ist von Dortmund gut und gerne mindestens zwei Autostunden entfernt. Der nächste Kanal? Liegt gleich um die Ecke. Und eine Stadt, die einen Brauereiturm zum Wahrzeichen erhebt, hält sich an ihren Wasserweg natürlich ein Kneipenschiff.

Eine Hafenkneipe? Kann ja jeder. Ein Kneipenschiff ist – zugegeben – auch nicht so selten, aber im Ruhrgebiet nicht gerade an der Tagesordnung und im Dortmunder Schmiedinghafen allemal ein Hingucker. Seit vier Jahren übernimmt die „De Albertha“ Winter für Winter die Rolle als schwimmendes Wirtshaus in der Speicherstraße und sorgt für den richtigen Spritzer maritimes Flair am Porto del Dortmund-Ems-Kanal. Und dies trotz – oder gerade auf Grund – der Tatsache, dass die Segel des ankernden Schiffes lediglich durch zwei Lichtschläuche simuliert werden. Was sich im winterlichen Dunkel und in Kombination mit der beleuchteten Gangway und einem Blick schräg rüber zum angestrahlten Alten Hafenamt gar nicht schlecht macht.

Bei einer Gesamtlänge von 34,50 Metern und einer Breite von 5,70 Metern geht die „Albertha“, eine Einmast-Seetjalk, kuttergetakelt  als waschechter „Revier-Mini“ unter den Ruhrgebiets-Gaststätten durch. Im Innern des Plattbodenschiffes  wird es noch kuscheliger, bietet die Schiffsmesse doch gerade mal Platz für etwa 30 Personen – und einen Kaminofen.

Ab 23. November ist das Plattbodenschiff servierfähig – und zwar von donnerstags bis samstags. Snacks von Smutje Dietmar Schmidt stehen auf der Karte, die Eigner selbst an der Theke: Arne Schulte-Altedorneburg und Sabrina Kohlpoth. Und wie im Urlaub an der fremdländischen Riviera bedürfen die angepriesenen Speisen einer Übersetzung. Da gibt es beispielsweise „Kalorische Krabbe“ (Krabbencocktail), „Himmlischer Hering“ (Matjes) und „Charismatisches Cholesterin“, das sich als Duo zweier XL-Spiegeleier entpuppt. „Balliges Brät“ (Frikadelle), „Paniertes Püree“ (Kroketten), „Geniale Gesundkost“ (Salat) und „Seute Deern“ (Vanille-Eis mit Schokosoße) vervollständigen das Oeuvre und werden ergänzt durch eine regionale Spezialität, die fast schon in Vergessenheit geraten ist: „Rund aus’m Ruhrpott“ – ein waschechtes Solei.

Ein bisschen Platt also, ein bisschen Pott und das alles mit niederländischem Hintergrund, der in der Geschichte des Schiffes begründet liegt. Denn gebaut wurde die Tjalk 1891 im niederländischen Hoogezand bei Groningen. Ein Frachtsegler fürs Wattenmeer, der nach dem Zweiten Weltkrieg gut zwei Jahrzehnte in einer holländischen Gracht vor sich hin dämmerte und heute als Gruppencharterschiff auf Nord- und Ostsee kreuzt. Heimathafen: Lemmer am Ijsselmeer.

Heimat des Kneipenschiffes „De Albertha“ ist und bleibt jedoch Dortmund. Erst im Frühling und mit dem richtigen Wetter sticht die Plattboden-Schönheit Ende Februar, Anfang März wieder „in See“ – je nachdem ob und wie gut die Kanäle befahren werden können.

Bis dahin jedoch zeigt sich die gestandene alte Dame von ihrer leckersten Seite, mit ausladenden Rundungen, zwei Seitenschwertern und „mit ohne Kiel“ – des geringen Tiefgangs wegen. Perfekt für eine Kanalfahrt; perfekt, um bei Ebbe auf dem Watt trockenzufallen. Falls denn mal ein Meer in der Nähe sein sollte. Ein Schicksal, das im Dortmunder Hafen jedoch niemandem droht: Auf der Getränkekarte der kleinen Kneipe stehen neben „Wonnigen Warmbechern“, also Tee und Kaffee, auch „Beliebte Beschleuniger“ wie Genever, Rum oder Korn und natürlich „Anlege-Bier“ vom Fass, das zur Wieder-Eröffnung übrigens für einen Euro pro 0,3-Füllung ausgeschenkt wird. Und: Sonntags darf – nach vorheriger Anmeldung – auch ein guter Wein verkostet werden. Wie gesagt: Trocken fällt auf der „De Albertha“ niemand. Zumindest nicht in Dortmund.

 

INFO

„De Albertha“
Kneipenschiff im Dortmunder Schmiedinghafen
Speicherstraße 100
44147 Dortmund
www.kneipenschiff-dortmund.de