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Waltrop. Ganz grün.

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Waltrop, das ist eine von den kleinen Städten, in denen man sich ein Häuschen im Grünen kauft - wenn man so was mag und es sich leisten kann. Ungefähr 7000 der 30.000 Einwohner pendeln zur Arbeit aus der Stadt raus. Es gibt keine nennenswerte Industrie, anstelle von Stadtteilen gibt es „Bauernschaften“, Teile der Innenstadt sind von Fachwerkhäuschen geprägt. Und doch hat Waltrop eine stolze Bergbau-Vergangenheit, die kurz nach 1900 begann und gut 70 Jahre dauerte. Der Staat Preußen ließ hier Kohle fördern, um die Flotte unter Dampf zu halten. Die Zeche Waltrop wechselte nach dem Ersten Weltkrieg mehrfach den Besitzer, und schließen musste am Ende die RAG.

Gibt es in dieser grünen Pendlerstadt Spuren des Bergbaus? – Oh ja. Wirken sie wie ein Fremdkörper? Oh nein. Die Tagesanlagen der Zeche sind geradezu liebevoll renoviert, liegen – wo sonst? – hübsch im Grünen. Und wenn man nicht weiß, dass dies mal eine Zeche war, käme man so leicht nicht darauf. Das Fördergerüst wurde abgebaut, den denkmalgeschützten Hallen in ihrem einheitlichen, historisierenden Stil haftet nichts an von Ruß und Maloche. Passend ist die heutige Nutzung: Manufaktum, Versandhandel für den Besserverdiener mit nostalgischer Ader, hat hier Verkaufsraum und Verwaltung; die Firma Hase fertigt hier ihre „Spezialräder“, darunter jene Gefährte, auf denen man halb liegend radelt; und in der Maschinenhalle, in der auch noch eine Fördermaschine steht, ist eine Galerie untergekommen.