Erlebnisroute rund um die Erzbahn

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  • Zeche Nordstern

    Während der Tour lohnt ein Abstecher zur Zeche Nordstern in Gelsenkirchen.

    Foto © Matthias Zerres

Kernstück dieser Route ist der sicherlich bekannteste aller Bahnradwege im Ruhrgebiet. Neben der zu Recht prämierten Erzbahntrasse zeigt uns diese Tour durch das klassische „Revier“ weitere schöne Strecken wie die „Hugo-Bahn“ in Gelsenkirchen, den „Nordsternweg“ vom Rhein-Herne-Kanal zum Weltkulturerbe Zeche Zollverein und die „Kray-Wanner-Bahn“, welche uns zurück zur Erzbahntrasse führt. Mit über 23 Kilometern Trassenwegen wartet diese Tour mit einem besonders langen Fahrvergnügen entlang alter Strecken auf.

Über die Erzbahn zum Kanal

An einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt im Herzen des Ruhrgebietes beginnt unsere Tour. Der Hauptbahnhof von Wanne-Eickel erhielt sein heutiges Gesicht 1913, als die gesamte Bahnanlage großzügig erweitert und ein riesiger Rangierbahnhof eingeweiht wurde. Wegen seiner Lage erhielt Wanne-Eickel einst den Namen „Stadt der 1000 Züge“. Das mag heute etwas übertrieben sein, weil einige Bereiche des Güterbahnhofs stillgelegt wurden, dennoch hat der Personenbahnhof als Kreuzungspunkt wichtiger Strecken immer noch viel Bedeutung.

Wir radeln über den Heinz-Rühmann-Platz zur gegenüberliegenden Parkanlage und nehmen den Radweg, der uns in Richtung Buschmannshof und später an die Berliner Straße führt (neue Wegführung nach dem Ende der Umbauarbeiten). Dieser Hauptverkehrsstraße folgen wir ein längeres Stück stadtauswärts geradeaus in Richtung Gelsenkirchen, passieren insgesamt drei Bahnbrücken und rollen entlang der Hüller Straße, bis wir vor uns eine der rot gestrichenen Erzbahnbrücken erblicken. Vor der Hochspannungsleitung queren wir die Straße, um durch den „Landschaftspark Pluto V“ (benannt nach einer früheren Schachtanlage) über einen mit Split belegten Weg in einem Bogen auf die hoch liegende Trasse zu gelangen. Hier oben halten wir uns rechts und fahren den nördlichen Teil dieser berühmten Trasse schnurgerade weiter bis zum ehemaligen Hafen Grimberg am Rhein-Herne-Kanal. 1914 war der bedeutende Wasserweg fertig geworden und ermöglichte eine Versorgung des nahegelegenen Gelsenkirchener Hüttenwerkes Schalker Verein mit Eisenerz über die gleichzeitig errichtete Bahn. Dazu musste die Strecke auf diesem Abschnitt einen Höhenunterschied von rund 20 Metern überwinden, um das deutlich höher liegende Niveau der Werksanlagen zu erreichen. Das spüren wir beim Fahren deutlich, denn mühelos rollen unsere Räder vorbei am ehemaligen Zechengelände Pluto-Wilhelm unter der Autobahn A42 und der DB-Güterstrecke Wanne-Eickel – Gelsenkirchen-Bismarck hindurch zum Hafengelände hinab, an dessen Rand die Bahntrasse sichtbar endet.

Kanaltour zur Hugo-Bahn

Ein recht neuer Verbindungsweg bringt uns an der Rückseite des Gelsenkirchener Erlebniszoos ZOOM vorbei direkt an den Kanal. Die Route führt jetzt immer weiter nach Westen, vorbei am neuen „Stadtquartier Graf Bismarck“ bis zur nächsten großen Straßenbrücke. Auf der Uechtingstraße überqueren wir den Kanal und die direkt dahinter fließende Emscher. Kurz danach können wir links auf den dort kreuzenden „Emscher-Weg“ abbiegen. Er führt bald auf die Trasse eines Anschlussgleises, das zum früheren Kohleverladehafen der Zeche Hugo führte. Unter einer Straßenbrücke neben der Bahnstrecke Gelsenkirchen-Bismarck – Gladbeck Ost – Dorsten müssen wir die Trasse der Hugo-Bahn schon wieder verlassen, weil der Radweg noch nicht weiter gebaut werden konnte. Doch es lohnt sich, diese Strecke zu entdecken, denn am Ende der Stichfahrt erwartet uns eine hübsche Überraschung! Mit dem Signet der Hugo-Bahn sind die Radwegweiser auf dem gut ausgeschilderten Umweg versehen, der uns über die Straße Sutumer Brücken, Theodor-Otte-Straße und die Pfeilstraße zurück auf die Trasse bringt. Vorbei an einem Friedhof führt die begrünte Strecke geradeaus durch die Wiesen in den Stadtteil Beckhausen, wo in einer Kurve die Horster Straße erreicht wird. Hier begrüßt uns ein altes, herausgeputztes Schrankenwärterhäuschen am früheren Bahnübergang. Gepflegte Blumenrabatten schmücken diesen Ort, der untrennbar mit einem berühmten Anwohner verbunden ist, welcher gemeinsam mit einem Bürgerverein dafür sorgte, dass dieser Platz heute so hübsch geworden ist. 

An dieser Stelle unterbrechen wir unsere Tour für einen Blick auf das Häuschen. Wer den Trassenweg weiter fahren möchte, erreicht bald in einer schönen alten Zechensiedlung die Zufahrtstore der Schachtanlage Hugo/Consolidation, die sich nach vielen Auseinandersetzungen um den Erhalt im Frühjahr 2000 endgültig schlossen.

Intermezzo am Nordsternpark 

Zurück verläuft unser Weg wieder bis zur Straße Sutumer Brücken, der wir nun über die Emscher folgen, um anschließend leicht bergab zu unserem Kanal und dort entlang zum nächsten Zwischenziel zu rollen. Es geht weiter nach Westen auf einer asphaltierten Straße zur Schleuse Gelsenkirchen, an der wir den Wasserweg überqueren. Auf der anderen Seite achten wir darauf, gleich rechts hinunter zum etwas ramponierten Kanalradweg zu gelangen. Bald unterqueren wir die imposante alte Kastenbrücke der zweigleisigen Bahnstrecke Wanne-Eickel – Oberhausen-Osterfeld, einer der Magistralen des Güterverkehrs durchs Revier. Dahinter sehen wir bereits die Doppelbogenbrücke des Nordsternparks, der seit seiner Einweihung zur Bundesgartenschau 1997 noch an Schönheit gewonnen hat. Wir verlassen den rumpeligen Radweg und gelangen über die große Brücke wieder an die Emscher, der wir zu unserem nächsten Trassenweg folgen. Ein Abstecher über das weitläufige Gelände des Landschaftsparks zu den imposanten Bauten der 1993 stillgelegten Zeche lohnt sich, nicht zuletzt wegen des tollen Biergartens auf dem Nordsternplatz. Der einprägsame Name des Bergwerks stammt übrigens aus einer Zeit, als dies der nördlichste Ort im Ruhrgebiet war, an dem das schwarze Gold zu Tage gefördert wurde (seit 1868).

INFO

Die Route stammt aus dem Buch von Stefan Höpel Bahnradeln im Ruhrgebiet - Auf 12 Radtouren stillgelegte Eisenbahnstrecken zwischen Lippe und Ruhr erkunden; Klartext Verlag, 2013; 

Das Buch von Stefan Höpel kannst Du hier kaufen.

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