MährenFurt

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  • MährenFurt an der Emscher

    Die "Jookos" überqueren die Emscher, die teilweise noch immer eine unüberwindbare Grenze darstellt.

    Foto: 2md

Ein Kunstprojekt von Reiner Kaufmann

Der offene Abwasserlauf zieht sich schnurgerade durch die Landschaft und trennt die Städte Herne und Recklinghausen. Mit ihrer Schmutzfracht und ihrer starken Strömung stellt die Emscher noch eine unüberwindbare Grenze dar. Überquert werden kann sie heute nur an Brücken. Früher gab es an der mäandrierenden Emscher Furten, d. h. flache Stellen im Fluss, die von Mensch und Tier gleichermaßen genutzt wurden, um die natürliche Grenze zu passieren. An diese Vergangenheit erinnert im Recklinghausener Stadtteil „König-Ludwig“ noch die Straße „In der Mährenfurt“.

Der Recklinghausener Künstler und Kurator Reiner Kaufmann greift den Gedanken der Grenzüberschreitungen und der sich daraus ergebenden Begegnungen mit dem Projekt MährenFurt auf. Dabei geht es ihm nicht nur darum, den Fluss als natürliche Grenze zu überwinden, sondern vor allem darum, in den Dialog zu gehen und die Grenzen in den Herzen und Köpfen der Menschen abzubauen.

Flusskilometer 39

Mit der Unterstützung der Emschergenossenschaft befindet sich die künstlerische Nachbildung der Furt als Kernbereich des Projektes auf Höhe des Emscher-Flusskilometers 39 an der Einmündung des Bärenbachs und des Landwehrbachs im Städtedreieck Recklinghausen-Herne-Castrop-Rauxel. Die MährenFurt besteht aus je fünf Stahlträgern an beiden Ufern zwischen denen Stahlseile gespannt sind. An diesen Seilbrücken, vom Künstler Pfade genannt, werden Figuren aufgehängt. Diese stellen die Silhouetten von je zwei Pferden dar, die einander gegenüber stehen und in dieser Begegnung miteinander verschmelzen, so dass der Betrachter die Pferde stets von ihrer Rückseite her sieht. Alle Figuren sind in der gleichen Weise konstruiert, unterscheiden sich allerdings in Größe und Gestaltung. Die vierteilige Figur im Zentrum der MährenFurt heißt „Allweltpferd“, die anderen Pferde nennt Reiner Kaufmann „Jookos“.

Das Miteinander fördern

„Jookos“ ist ein Begriff aus dem senegalesischen und bedeutet soviel wie „Zusammenstehen“ oder „Miteinander auf dem Weg sein“. Und genau dieses Miteinander suchte Reiner Kaufmann. Er kontaktierte unter anderem die Grundschule Pantringshof in Herne und stellte den Kindern die Frage, wie das Emscherpferd aussehen soll. So entstanden Dutzende von Pferdeskizzen aus Kinderhand. Darunter befand sich auch das „Pferd von hinten“. Aus Hartschaum sägten, hobelten und feilten die Schüler ihre Pferde und schon bald war die Jooko-Herde bereit für den Weg über die Emscher.

Insgesamt geht es Kaufmann darum, einen Ort der Besinnung zu schaffen, an dem Spaziergänger ins Sehen und Nachdenken geraten. Sie sollen die MährenFurt als eine Brücke zwischen der Geschichte und der Zukunft des Emschertals verstehen und eigene Vorstellungen davon entwickeln, wie der Umbau der Emschergewässer das Leben an und mit dem Fluss verändern wird.

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