Zauberlehrling

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  • Zauberlehrling am Haus Ripshorst in Oberhausen

    Der „Zauberlehrling“ von Inges Idee nahe Haus Ripshorst in Oberhausen.

    Foto: M. Zerres, Emscherkind
  • Der Zauberlehrling Projekt der Emscherkunst Oberhausen

    Ein Strommast, der mit den Wolken tanzt.

    Foto: M. Zerres, Emscherkind
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Ein Kunstprojekt tanzt aus der Reihe

Die Berliner Künstlergruppe Inges Idee ist mit ihren zeichenhaften Skulpturen und Installationen, die immer einen konkreten Bezug zum öffentlichen Raum haben, international bekannt geworden. Für die Emscherkunst-Ausstellung 2013 ließ sie einen Strommast aus der Reihe tanzen. Dies im Sinne des Wortes, denn die beschwingte Stahlkonstruktion ist sozusagen in die Freiheit geflüchtet, an einen Ort jenseits der Stromtrasse. 

Mit einer Höhe von 35 Metern und aus Stahlprofilen geformt, erinnert die Figur in Maß und Form an einen herkömmlichen Strommast. Tatsächlich aber wurden alle Teile neu gezeichnet und extra angefertigt, denn nur so konnte man die Stahlkonstruktion zum Tanzen bringen. Je nach Position des Betrachters verändert sich auch die Gestalt des Mastes, und in das vermeintlich statische Gebilde kommt Bewegung.

Die geschwungene Form zeichnet eine menschliche Figur und erinnert an den Geist, der gerufen wurde und sich dem Gehorsam entzieht. Da steht er nun, der Zauberlehrling, und wirkt durchaus elektrisiert, so als stünde er tatsächlich unter Strom. Aber er ragt ganz ohne verbindende Leitungen inmitten einer Wiese empor. 

Nicht von ungefähr war Goethes Zauberlehrling der Namenspate für die Installation. Der Dichter erzählt in seiner Ballade von dem Lehrling, der heimlich einen Zauberspruch des Meisters ausprobiert und einen Besen in einen Knecht verwandelt. Anfänglich ist er stolz auf sein Können, doch bemerkt er bald, dass die Situation außer Kontrolle gerät. Und so fallen die geflügelten Worte: „Die ich rief, die Geister, werd´ ich nun nicht los!“  Nur das beherzte Eingreifen des Meisters rettet die Situation und bezwingt den wild gewordenen Besen.

Seiner Bestimmung entzogen, steht der Zauberlehrling weiterhin geduldig auf seiner Wiese, gleich hinter Läppkes Mühlenbach und nur einige hundert Meter von Haus Ripshorst entfernt. Hier tanzt er den Tanz des Abtrünnigen und wirft in den Zeiten von Klimawandel und Energiewende neue Fragen nach der Zukunft auf. Gleichwohl steht er auch vor der Kulisse einer von der Schwerindustrie geprägten Region, an deren ruhmvolle Vergangenheit sich der Betrachter unweigerlich erinnert.

Der Zauberlehrling freut sich Tag und Nacht auf Besuch.

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